Gleich und gleich

gesellt sich gern….

Wie wählen wir unsere Freunde? Entgegen dem Sprichwort «Gegensätze ziehen sich an» gehen wir Freundschaften bevorzugt mit Menschen aus einer ähnlichen Altersgruppe, des gleichen Geschlechts und aus demselben Kulturkreis ein.

Die sogenannte soziale Homophilie ist eine der ältesten Regulatoren von zwischenmenschlichen Beziehungen. So zeigen beispielsweise die Angehörigen einer kleinen Gruppe von Jägern und Sammlern in Tansania bezüglich Alter, Gewicht, Körperfett-Anteil, Händedruck-Stärke und Formen der Zusammenarbeit erstaunliche Ähnlichkeiten. Heterophile Tendenzen, das heisst intensive soziale Kontakte zwischen ungleichen Personen, sind in solchen Gruppen deutlich seltener. Am häufigsten wird soziale Heterophilie im Berufsleben beobachtet, wenn Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten oder zur Lösung einer spezifischen Aufgabe zusammenkommen. Diese Beziehungen sind meist von kurzer Dauer und werden nach dem Erreichen des gemeinsamen Zieles nicht weitergeführt.

Soziale Homophilie ist im Gehirn sichtbar
Bisher wurde soziale Homophilie meist anhand von physischen und demographischen Eigenschaften, wie beispielsweise Alter, Geschlecht, soziale Klasse, etc. erforscht. Nun hat ein Team der University of California, Los Angeles, USA untersucht, ob sich die soziale Homophilie auch in den neuronalen Netzwerken des Gehirns widerspiegelt. Dazu wurde zuerst das soziale Netzwerk einer Studenten-Kohorte durch einen Fragebogen erfasst und analysiert. Mittels funktionaler Magnetresonanztomographie (fMRI) wurde danach die neuronale Aktivität in 80 Hirnregionen beim Betrachten einer vorgegebenen Video-Sequenz analysiert. Dadurch konnte gezeigt werden, dass gute Freunde ein vergleichbares neuronales Ansprechen aufweisen und die Unterschiede der neuronalen Aktivitäts-Muster zunehmen, je weiter zwei Personen innerhalb des sozialen Netzwerkes voneinander entfernt sind. Ähnliche neuronale Aktivitäten wurden bei Personen mit einer starken sozialen Bindung insbesondere in Hirnregionen beobachtet, welche Motivation, Lernen, affektive Verarbeitung, Gedächtnis und Aufmerksamkeit steuern und Vorgänge wie das Einschätzen der psychischen Verfassung des Gegenübers, die Prozessierung von Sprache und das inhaltliche Verständnis erzählter Geschichten beeinflussen.

Vorhersage des «Freundschafts-Status» anhand der neuronalen Aktivität
Um die Erkenntnisse zu überprüfen, entwickelten die Forscher anhand der gesammelten fMRI-Daten prädiktive Modelle, um den «Freundschafts-Status» von zwei Personen anhand der neuronalen Aktivität vorherzusagen. Dadurch konnten sie die Nähe bzw. Distanz von zwei Personen innerhalb des sozialen Netzwerkes durch Vergleichen des neuronalen Aktivitätsmusters in insgesamt 41.25% der Fälle korrekt einschätzen. Eine Frage bleibt in der Studie jedoch unbeantwortet: Werden Menschen als Freunde gewählt, weil sie gleich auf die Umgebung reagieren oder findet eine Anpassung an die Freunde statt? Die Resultate lassen keine Antwort auf diese Frage zu. Die Autoren gehen jedoch davon aus, dass die ähnlichen neuronalen Aktivitäten bei Freunden neben der Homophilie auch durch soziale Einflüsse zustande kommen.

Original-Publikation:
Similar neural responses predict friendship Carolyn Parkinson, Adam M. Kleinbaum & Thalia Wheatley Nature Communications (2018)9:332 PubMed: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29382820/