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Schule macht
Was passiert, wenn Lehrpersonen im Unterricht gelangweilt sind oder auch nur so wirken? Eine neue Studie zeigt: Die Wirkung bleibt nicht aus – und ist messbar.
Langeweile im Klassenzimmer
Langeweile im Unterricht ist ein altbekanntes Phänomen – und wissenschaftlich gut belegt: So geben 44 % der Mittelschüler:innen an, sich im Mathematikunterricht regelmässig zu langweilen, und an Universitäten empfinden über die Hälfte der Studierenden mindestens jede zweite Vorlesung als langweilig. Doch Langeweile ist mehr als nur ein subjektiv lästiges Gefühl. Studien zeigen, dass sie die Motivation senkt, den Einsatz effektiver Lernstrategien hemmt und die schulische Leistung verschlechtert.
Der Einfluss der Lehrperson
Während die Ursachen und Folge von Schüler-Langeweile bereits erforscht wurden, ist bislang kaum untersucht, welche Rolle die Lehrperson dabei spielt – obwohl viele Auslöser von Langeweile, etwa monotone Präsentation, Über- oder Unterforderung oder fehlende Interaktion, direkt mit ihr zusammenhängen. Eine neue Studie aus Hongkong liefert nun erste systematische Hinweise darauf, dass die Langeweile von Lehrkräften – oder auch nur deren Wahrnehmung durch die Schüler:innen – eine entscheidende Rolle spielen könnte.
Langeweile erzeugt Langeweile
Die Studie «Boredom begets Boredom» von Tam et al. (2020) erforschte, welche Rolle die Lehrer-Langeweile im Zusammenspiel mit der Schülerwahrnehmung, der Schüler-Langeweile und der Lernmotivation spielt. Dabei interessierte das Forschungsteam insbesondere, ob sich die Langeweile von Lehrpersonen – unabhängig davon, ob sie real vorhanden oder nur von Schüler:innen wahrgenommen wurde – auf das Erleben und die Motivation der Lernenden auswirkt.
Über einen Zeitraum von zwei Wochen befragten die Forschenden an zwei Schulen in Hongkong 437 Sekundarschüler:innen (54,8% weiblich, Durchschnittsalter 14,5 Jahre) und 17 Lehrpersonen (29,4 % weiblich, 76,5 % jünger als 40 Jahre) direkt nach dem Unterricht. In kurzen Fragebögen bewerteten die Schüler:innen die wahrgenommene Langeweile der Lehrkräfte, ihre eigene Langeweile und ihre Lernmotivation. Auch die Lehrpersonen schätzten ihre eigene Langeweile ein. Insgesamt wurden 2’675 Rückmeldungen ausgewertet.
Die Ergebnisse bestätigen den Titel der Studie: Die wahrgenommene Langeweile der Lehrperson korrelierte signifikant mit erhöhter Langeweile der Lernenden sowie geringerer Motivation. Dieser Effekt zeigte sich sowohl direkt als auch indirekt: Wurde die Lehrperson als gelangweilt wahrgenommen, erlebten die Schüler:innen selbst mehr Langeweile – was wiederum ihre Motivation senkte. Auch die in der Selbstauskunft berichtete Langeweile der Lehrperson stand in einem direkten negativen Zusammenhang zur Schülermotivation.
Die Haltung der Lehrkraft
Damit stützt die Studie die Theorie des „emotional crossover“: Emotionen wirken in sozialen Kontexten nicht primär über objektives Erleben, sondern über die subjektive Wahrnehmung und Interpretation durch andere. Gerade im Unterrichtsgeschehen kommt der emotionalen Präsenz von Lehrpersonen damit eine zentrale Bedeutung zu. Es sind also nicht nur Inhalte und Methoden entscheidend, sondern auch, wie engagiert oder desinteressiert die Lehrperson auf Schüler:innen wirkt. Eine engagiert wahrgenommene Lehrperson kann motivierend wirken, während eine als desinteressiert wahrgenommene demotiviert – unabhängig davon, wie sie sich selbst erlebt.
Fazit
Langeweile im Klassenzimmer ist also tatsächlich „ansteckend“ – vor allem, wenn Lehrpersonen gelangweilt wirken. Ihre Haltung überträgt sich auf die Klasse und kann die Motivation der Schüler:innen spürbar dämpfen. Wer guten Unterricht möchte, sollte deshalb nicht nur auf die Inhalte, sondern auch auf das Engagement der Lehrkraft achten.
Quelle:
Tam KYY, Poon CYS, Hui VKY, Wong CYF, Kwong VWY, Yuen GWC, Chan CS. Boredom begets boredom: An experience sampling study on the impact of teacher boredom on student boredom and motivation. Br J Educ Psychol. 2020 Jun;90 Suppl 1:124-137. doi: 10.1111/bjep.12309. Epub 2019 Jul 24. PMID: 31342514.
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Bakterien
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